Kreuzblume Köln: Warum eine Domspitze auf dem Boden steht und was Besucher oft übersehen

Zuletzt aktualisiert am:
15.09.2026
Beitrag erstellt am:
11.09.2026
Ben
Geschichtensammler
-
Kölner Kompass
Kreuzblume vor dem Kölner Dom aus der Untersicht, mit markanten Blattverzierungen und der Westfassade im Hintergrund.

Was ist die Kreuzblume vor dem Kölner Dom?

Die Kreuzblume vor dem Kölner Dom ist eine Nachbildung der südlichen Turmkreuzblume in Originalgröße. Wer vor dem Hauptportal steht und auf den Dom schaut, findet das Vorbild ganz oben auf dem rechten Turm. Das heutige Modell aus Stahlbeton wurde im Oktober 1991 vor der Westfassade des Doms aufgestellt. Der Standort heißt heute Kardinal-Höffner-Platz. Laut den Tafeln am Sockel ist das Modell 9,50 Meter hoch und 4,60 Meter breit. Es macht die Dimensionen eines Bauteils anschaulich, das hoch oben auf dem Dom aus der Entfernung klein wirkt.

Seit mehr als zehn Jahren starten wir an der Kreuzblume unsere Brauhaustouren und begrüßen hier Gäste aus aller Welt. Viele nehmen das Modell erst bewusst wahr, wenn wir erklären, was vor ihnen steht: der Abschluss einer Domspitze, nachgebildet im Maßstab 1:1. Dann wandert der Blick nach oben, und oft folgt ungläubiges Staunen. Wenn schon dieses eine Detail so gewaltig ist, wirkt der ganze Kölner Dom gleich noch imposanter.

Werbebanner für eine Brauhaustour in Köln mit anstoßenden Biergläsern im Vordergrund, dem Schriftzug „Brauhaustour Köln", dem roten Button „Jetzt buchen!" und der Kölner Skyline mit Dom, Fernsehturm und Hohenzollernbrücke als weiße Silhouette am unteren Rand.

Warum heißt die Kreuzblume eigentlich Kreuzblume?

Eine Kreuzblume ist ein Schmuckelement der gotischen Architektur. Bei der vierarmigen Form, wie sie auch der Kölner Dom zeigt, ragen blattartige Formen in vier Richtungen aus einem mittleren Schaft. Von oben betrachtet bilden sie ein Kreuz. Der Name verbindet also die Kreuzform mit dem pflanzlichen Aussehen.

Kreuzblumen gibt es auch an vielen anderen gotischen und neugotischen Kirchen. Sie bekrönen Türme, Giebel oder die kleineren spitzen Ziertürmchen, die sogenannten Fialen. „Kreuzblume“ ist damit ein fester Architekturbegriff. In Köln lässt sich diese sonst oft weit entfernte Form am Bodenmodell aus der Nähe betrachten.

Wann wurde die Kreuzblume aufgestellt und warum gab es zwei Modelle?

Das erste Kreuzblumenmodell wurde im März 1980 zum hundertjährigen Jubiläum der Domvollendung vor dem Kölner Dom aufgestellt. Es bestand aus Kunststoff und wurde 1990 durch Orkan Wiebke so schwer beschädigt, dass es ersetzt werden musste. Im Oktober 1991 folgte das heutige Modell aus Stahlbeton.

Schon im 19. Jahrhundert hatte Dombaumeister Richard Voigtel eine zusätzliche Kreuzblume als Denkmal der Domvollendung vorgeschlagen. Sein Entwurf wurde jedoch nicht verwirklicht. Die Überlegung, einen solchen Turmabschluss unten aufzustellen, ist also deutlich älter als das Modell, das wir heute kennen.

Die Idee für das Jubiläumsmodell von 1980 hatte Rudolf Barten vom damaligen Kölner Verkehrsamt. Der Bildhauer Uspelkat aus Bergisch Gladbach setzte sie um. Ein Detail von ganz oben sollte unten zeigen, wie groß der Dom tatsächlich ist.

Beim Neubau nahm man das Vorbild noch einmal genauer unter die Lupe. Die Proportionen des ersten Modells stimmten nicht vollständig mit der Kreuzblume auf dem Dom überein. Deshalb wurde das Original auf dem Südturm neu vermessen und aus der Luft fotografiert. So entstand eine Nachbildung, die auch die Form ihres Vorbilds genauer wiedergab.

Bei der Wiedererrichtung halfen mehrere Förderer mit. Wer die Tafel am Sockel liest, entdeckt darunter auch die Altstadt-Bräu Johann Sion KG. Ein Kölner Brauereiunternehmen unterstützte also die Kreuzblume, an der heute unsere Touren beginnen. Der Name Sion begegnet einem in der Kölner Braugeschichte übrigens noch häufiger, etwa bei der Kölsch-Konvention und beim Kölner Brauhauswanderweg.

Was steht auf den Tafeln an der Kreuzblume?

Die Tafeln am Sockel erklären die Kreuzblume in 15 Sprachfassungen, darunter Deutsch, Englisch, Japanisch und Kölsch. Sie beschreiben das Modell als Nachbildung in Originalgröße, nennen seine Maße und erinnern an die Domvollendung von 1880. Acht Erklärungstafeln sitzen am oberen Ring, sieben am unteren. Eine zusätzliche Tafel nennt die Förderer der Wiedererrichtung.

Es lohnt sich, einmal um die Kreuzblume herumzugehen. Neben Französisch, Spanisch und Italienisch entdeckt man auch Niederländisch, Portugiesisch, Russisch, Ungarisch, Griechisch, Türkisch, Chinesisch und Latein. Und natürlich hat zwischen all diesen Sprachen auch Kölsch seinen Platz.

„Nohjemaate Krützblom jenau esu jroß wie bovve op denne Domtürm“, steht dort. Sinngemäß: eine nachgemachte Kreuzblume, genauso groß wie oben auf den Domtürmen. Viel kürzer und kölscher lässt sich kaum erklären, warum dieses Modell hier steht.

Bis auf Latein waren tatsächlich schon Muttersprachler aller hier vertretenen Sprachfassungen bei unseren Brauhaustouren dabei. Für die lateinischen Muttersprachler sind wir dann doch noch nicht lange genug im Geschäft.

Was entdeckt man an den echten Kreuzblumen auf den Domtürmen?

Die steinernen Kreuzblumen bekrönen die beiden Domtürme. Um ihren mittleren Schaft legen sich jeweils zwei unterschiedlich große Blattkränze. Metallverankerungen sichern die einzelnen Steinblöcke. Auf Nahaufnahmen lassen sich außerdem schmale Wartungsleitern und Blitzableiter erkennen. Die vermeintlich kleinen Verzierungen sind also bis heute Orte, an denen Fachleute arbeiten.

Dabei sahen die Kreuzblumen bei der Domvollendung 1880 noch etwas anders aus. Vom Boden betrachtet wirkten sie zu massig. Die Steinmetze mussten deshalb erneut hinauf, um die Formen feiner auszuarbeiten. In beheizbaren Schutzbauten arbeiteten sie hoch über Köln bis Februar 1881 weiter. Unten war die Vollendung des Doms längst gefeiert worden, oben wurde noch gemeißelt.

Eine weitere Besonderheit fällt beim Hinaufschauen allerdings nicht auf: Der Südturm ist mit 157,22 Metern vier Zentimeter höher als der Nordturm mit 157,18 Metern. Diese Angaben beziehen sich auf die gesamte Turmhöhe. Dass der Unterschied an den Kreuzblumen liegt, lässt sich daraus nicht ableiten. Wer gerade neben dem gewaltigen Modell am Boden gestanden hat, kann über diesen Größenvergleich trotzdem staunen: Zwei Türme ragen mehr als 157 Meter in den Himmel und unterscheiden sich in ihrer Höhe um gerade einmal vier Zentimeter.

Warum sollte die Kreuzblume vor dem Dom verschwinden?

Der Standort der Kreuzblume ist seit Jahren umstritten. Kritiker finden, dass das Modell den Blick auf die Westfassade und das Hauptportal verstellt. Auch der benachbarte Taubenbrunnen soll besser zur Geltung kommen. Andere schätzen die Kreuzblume als Treffpunkt und als Möglichkeit, die Größe des Doms besser zu verstehen.

Für ihren Verbleib vor dem Dom wurde 2015 sogar eine Online-Petition gestartet. Im November desselben Jahres stoppte der Rat den geplanten Abbau zunächst und ließ nach einer Lösung für den Streit um den Standort suchen. Die Frage war damit allerdings nicht endgültig geklärt.

Noch 2025 wurde darüber diskutiert, ob die Kreuzblume an dieser Stelle richtig steht. Seit Januar 2026 laufen zwar Arbeiten zur Neugestaltung der nördlichen Domumgebung, die Kreuzblume selbst ist nach den veröffentlichten Planungen jedoch nicht Teil dieser Maßnahme. Sie steht weiterhin auf dem Kardinal-Höffner-Platz.

Für uns gehört die Kreuzblume zum gemeinsamen Ankommen in Köln. Dass sich hier zugleich schöne Fotos vom Dom machen lassen, erleben wir regelmäßig: Viele unserer Erinnerungsbilder zeigen fröhliche Gäste im Vordergrund und den Kölner Dom dahinter.

Was übersieht man leicht direkt neben der Kreuzblume?

Direkt neben der Kreuzblume liegt der Taubenbrunnen von Ewald Mataré. Er wurde 1953 eingeweiht und bietet den Domtauben eine Trinkgelegenheit. In einer flachen, runden Eisenmulde verläuft eine spiralförmige Wasserrinne, umgeben von einem Mosaik.

Der Brunnen war schon da, lange bevor das erste Kreuzblumenmodell aufgestellt wurde. Durch seine niedrige Form fällt er zwischen Domfassade, Kreuzblume und vorbeigehenden Menschen weniger auf. Wer nach dem Blick zu den Turmspitzen auch einmal nach unten schaut, entdeckt hier ein eigenständiges Kunstwerk.

Wo steht die Kreuzblume genau?

Die Kreuzblume steht auf dem Kardinal-Höffner-Platz vor der Westfassade des Kölner Doms, unterhalb der Stufen zum Hauptportal. Das Café Reichard und das DOMFORUM liegen unmittelbar in der Nähe und helfen bei der Orientierung.

Vom Haupteingang des Kölner Hauptbahnhofs auf der Domseite sind es etwa drei Minuten zu Fuß. Geht auf die Kathedrale zu, haltet euch rechts und folgt dem Weg zur Vorderseite mit den beiden großen Türmen. Auf dem Platz vor den Portalen steht die Kreuzblume. In Google Maps findet ihr sie unter dem Suchbegriff „Kreuzblume Köln“ und könnt euch direkt dorthin navigieren lassen.

Wer sich hier verabredet, sollte ausdrücklich die Kreuzblume als Treffpunkt nennen. „Am Dom“ lässt bei einem Gebäude dieser Größe doch etwas viel Spielraum.

So erkennt ihr euren Guide bei der Brauhaustour

Am Treffpunkt Kreuzblume erkennt ihr unsere Guides an den schwarzen Rucksäcken mit dem Logo des Kölner Kompass und den roten Namensschildern, die sie um den Hals tragen. Sprecht uns einfach an!

Bereit wenn du es bist!

Wir freuen uns darauf, mit euch historische Brauhäuser, kölsche Geschichten und frisch gezapftes Kölsch zu erleben.

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