Tünnes und Schäl in Köln: Geschichte, Bedeutung und warum Tünnes’ Nase Glück bringt

Zuletzt aktualisiert am:
25.08.2026
Beitrag erstellt am:
25.08.2026
Ben
Geschichtensammler
-
Kölner Kompass
Kölner-Kompass-Guide mit Gästen bei den Bronzefiguren von Tünnes und Schäl in der Kölner Altstadt.

Wer sind Tünnes und Schäl?

Tünnes und Schäl sind zwei fiktive Figuren des Kölner Hänneschen-Theaters und gehören heute zu den bekannten Symbolfiguren der Stadt. Tünnes steht für den gutmütigen, bodenständigen und manchmal etwas naiven Typen, während Schäl sich für besonders clever hält, gerne seinen eigenen Vorteil sucht und damit regelmäßig scheitert.

Dabei ist Tünnes keineswegs einfach nur der „Dumme“ und Schäl der „Schlaue“. Oft versteht ausgerechnet Tünnes besser, worauf es wirklich ankommt, während Schäl an seiner eigenen Schlitzohrigkeit scheitert. Die beiden verkörpern damit unterschiedliche Seiten der kölschen Mentalität und wurden längst weit über das Hänneschen-Theater hinaus bekannt. Bereits 1896 wurden sie in der Presse als Kölner „Urtypen“ bezeichnet.

Heute sind ihre Bronzefiguren ein beliebtes Fotomotiv in der Kölner Altstadt. Auch auf vielen unserer Brauhaustouren beim Kölner Kompass kommen wir an Tünnes und Schäl vorbei. Bei unseren Gästen gehören die beiden zu den häufigsten Fotomotiven und sorgen fast immer für einen Lacher. Genau solche Geschichten gehören für uns zu einer guten Brauhaustour genauso dazu wie das Kölsch im Brauhaus.

Seit wann gibt es Tünnes und Schäl?

Tünnes und Schäl gehören seit dem 19. Jahrhundert zum Hänneschen-Theater und damit schon ziemlich lange zum kölschen Inventar. Das Theater selbst geht auf Johann Christoph Winters zurück und wird auf 1802 datiert. Tünnes lässt sich spätestens 1839 namentlich belegen, Schäl wird meist um die Mitte des 19. Jahrhunderts eingeordnet.

Die lebensgroßen Bronzefiguren, denen heute viele Köln-Besucher begegnen, kamen deutlich später: Am 30. April 1974 wurden die vom Bildhauer Wolfgang Reuter geschaffenen Bronzefiguren von Tünnes und Schäl im Brigittengässchen im Rahmen eines Straßenfestes aufgestellt. Ihr findet die beiden dort bis heute in der Altstadt, direkt bei Groß St. Martin und nur wenige Gehminuten vom Alter Markt entfernt. Stand 2026 sind die beiden also 52 Jahre alt und haben seitdem schon einige Karnevalssessionen, Gruppenfotos, Besucher des Kölner Brauhauswanderwegs und andere kölsche Kuriositäten an sich vorbeiziehen sehen. Besonders passend ist, dass sie nicht auf einem hohen Sockel stehen, sondern bewusst bodenständig und auf Augenhöhe mit den Menschen der Stadt.

Gab es Tünnes und Schäl wirklich?

Nein, Tünnes und Schäl waren keine echten Kölner Personen. Es gibt keine historischen Biografien zweier Menschen, auf denen die Figuren eindeutig beruhen. Vielmehr sind sie typische Bühnenfiguren, in denen Eigenschaften und Eigenheiten aus dem damaligen Kölner Alltag überspitzt zusammenkommen.

Rund um Schäl hält sich bis heute die Geschichte, er sei als Spottfigur auf einen damaligen Konkurrenten des Hänneschen-Theaters zurückgegangen. Dass es diese Konkurrenz tatsächlich gab, ist historisch belegt. Ob Schäl aber wirklich als direkte Karikatur eines konkreten Konkurrenten geschaffen wurde, lässt sich heute nicht sicher nachweisen.

Wenn Tünnes und Schäl heute als „kölsche Originale“ bezeichnet werden, ist das deshalb nicht ganz wörtlich zu verstehen. Erfunden sind sie also trotzdem. In Köln nimmt man es damit inzwischen nur nicht mehr ganz so genau.

Was bedeuten die Namen Tünnes und Schäl?

Tünnes ist eine rheinische Form von Antonius beziehungsweise Anton. Der Name wurde also nicht eigens für die Theaterfigur erfunden. Im Rheinland konnte „Tünnes“ später auch einen etwas einfältigen oder ungeschickten Menschen bezeichnen, wobei sich heute kaum sauber trennen lässt, wie stark die bekannte Figur diese Bedeutung selbst geprägt hat.

Bei Schäl steckt deutlich mehr Wortspiel drin. Das kölsche „schäl“ gehört zu „scheel“ und kann nicht nur schielend, sondern je nach Zusammenhang auch schief, falsch, schlecht oder unansehnlich bedeuten. Der Name beschreibt damit nicht nur sein Aussehen, sondern liefert die Pointe gleich mit. Dazu passt auch die kölsche Bezeichnung „Schäl Sick“ für die rechtsrheinische Seite. Ob diese Verbindung aber tatsächlich bei der Namensgebung eine Rolle spielte oder erst später Teil der Geschichte wurde, lässt sich nicht sicher belegen.

Warum reibt man Tünnes an der Nase?

Wer Tünnes an der Nase reibt, soll Glück haben. Woher dieser Brauch genau kommt, weiß allerdings niemand so recht. Weder bei der Aufstellung der Figuren noch in späteren historischen Quellen ließ sich bislang ein klarer Ursprung finden. Sicher ist nur: Die Nase wird so häufig angefasst, dass sie heute deutlich heller glänzt als der Rest der Bronze.

Beim Kölner Kompass nehmen wir das mit dem kölschen Glück natürlich augenzwinkernd ernst. Auf vielen unserer Brauhaustouren führen wir unsere Gäste bei Tünnes vorbei und lassen ihnen die Chance auf eine kleine Portion Glück nicht entgehen. Und wenn es am Ende doch nur für ein gutes Gruppenfoto reicht, hat sich der Abstecher trotzdem gelohnt.

Mit seiner blank geriebenen Nase ist Tünnes übrigens nicht allein. Auch beim berühmten Charging Bull in New York ist das Berühren der Bronze längst Teil des Besucherrituals geworden und wird mit Glück und Wohlstand verbunden. Bei den Bremer Stadtmusikanten sollen wiederum die blank geriebenen Vorderbeine des Esels Glück bringen. Offenbar reicht es bei manchen Stadtikonen irgendwann nicht mehr, sie nur anzuschauen. Man muss sie anfassen.

Was die meisten über Tünnes und Schäl nicht wissen

Tünnes und Schäl waren ziemlich gute Fundraiser. 1950 standen auf dem Neumarkt rund vier Meter hohe Holzfiguren der beiden. Wer für den Wiederaufbau des im Krieg zerstörten Gürzenichs spendete, durfte einen Nagel in die Figuren schlagen. Entworfen hatte sie der Bildhauer Wolfgang Wallner, geschnitzt wurden sie von Studierenden der Kölner Werkschulen. Sogar der damalige Oberbürgermeister Robert Görlinger beteiligte sich und schlug einen der ersten Nägel ein.

Und wer Tünnes und Schäl nicht nur als Bronze in der Altstadt sehen möchte, kann ihnen natürlich auch heute noch dort begegnen, wo alles angefangen hat: im Hänneschen-Theater. Das Theater spielt weiterhin regelmäßig, und je nach Programm stehen auch Tünnes und Schäl selbst auf der Bühne.

Auch im Karneval begegnet man Tünnes und Schäl bis heute immer wieder als Duo. Wo wir die beiden zuletzt auf einer Kölner Karnevalsfeier entdeckt haben, verraten wir euch dann lieber bei einem Kölsch auf einer unserer Kölner Kompass Brauhaustouren.

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