Heinzelmännchenbrunnen Köln: Wie man die Geschichte aus Stein liest und was Besucher oft übersehen

Zuletzt aktualisiert am:
30.08.2026
Beitrag erstellt am:
30.08.2026
Ben
Geschichtensammler
-
Kölner Kompass
Weitwinkelansicht des Heinzelmännchenbrunnens in Köln mit Schneidersfrau, Reliefs, Wasserbecken und bunten Blumenbeeten.

Was ist der Heinzelmännchenbrunnen in Köln?

Der Heinzelmännchenbrunnen ist ein historisches Brunnendenkmal in der Straße Am Hof, nur wenige Gehminuten vom Kölner Dom entfernt. Der Bildhauer Edmund Renard und sein Sohn, der Architekt Heinrich Renard, schufen ihn zwischen 1897 und 1900 als steinerne Darstellung der Geschichte der Heinzelmännchen von Köln. Als wichtigste Vorlage diente ihnen August Kopischs Ballade „Die Heinzelmännchen zu Cölln“ von 1836. Darin erledigen die kleinen Helfer nachts heimlich die Arbeit der Kölner, bis eine neugierige Schneidersfrau Erbsen auf der Treppe ausstreut. Die Heinzelmännchen rutschen aus, werden entdeckt und verschwinden anschließend für immer aus Köln.

Im Zentrum des Brunnens steht die Schneidersfrau mit einer Laterne. Unter ihr purzeln die kleinen Helfer die Treppe hinunter. Links und rechts zeigen Reliefplatten, welche Arbeiten die Heinzelmännchen zuvor für Zimmerleute, Bäcker, Fleischer, Küfer und Schneider erledigt haben sollen.

Der Brunnen ist ungefähr 14 Meter breit und sechs Meter hoch. Wer nur die Schneidersfrau fotografiert, übersieht deshalb einige seiner besten Details. Es lohnt sich, langsam an den Reliefs entlangzugehen und auch einen Blick auf die Rückseite der Anlage zu werfen.

Auf unseren Brauhaustouren durch die Kölner Altstadt kommen wir häufig am Heinzelmännchenbrunnen vorbei. Zunächst ist er ein schöner Ort für ein Foto. Interessant wird er aber vor allem durch die Geschichte dahinter. Sobald die Erbsen ins Spiel kommen, wird aus dem Brunnen eine dieser Kölner Geschichten, die im Kopf bleiben. Wer sie kennt, versteht anschließend auch viele andere Dinge besser, die einem in Köln begegnen. Die kleinen Helfer tauchen in Souvenirläden, auf Bildern und Figuren, in Namen Kölner Unternehmen und sogar auf einem eigenen Weihnachtsmarkt auf. Eine Sage, in der ein paar Erbsen eine ganze Stadt wieder zum Arbeiten bringen, vergisst man schließlich nicht so schnell.

Was zeigen die Figuren und Reliefs am Heinzelmännchenbrunnen und wie liest man die Geschichte?

Der Heinzelmännchenbrunnen setzt August Kopischs Ballade von 1836 als steinerne Bildergeschichte um. Sechs Bildreliefs zeigen die Heinzelmännchen bei der Arbeit für Zimmerleute, Bäcker, Fleischer, Küfer und Schneider. Zwei weitere Reliefplatten enthalten gekürzte Ausschnitte aus der ersten und der letzten Strophe. Die Schneidersfrau und die stürzenden Heinzelmännchen in der Mitte bilden den Höhepunkt der Geschichte.

Ganz so einfach wie ein Comic von links nach rechts lässt sich der Brunnen allerdings nicht lesen. Die einzelnen Teile der Handlung sind über die gesamte Anlage verteilt. Am verständlichsten wird die Geschichte, wenn man sie in vier Schritten betrachtet.

1. Der Anfang steht auf dem linken Textrelief

Das linke Textrelief enthält einen gekürzten Ausschnitt aus der ersten Strophe von Kopischs Ballade. Sie beschreibt die bequeme Zeit, in der die Kölner ihre Arbeit liegen lassen konnten, weil nachts die Heinzelmännchen kamen.

Der bekannte Anfang lautet:

„Wie war zu Köln es doch vordem
mit Heinzelmännchen so bequem!“

Damit erklärt die Tafel, warum die kleinen Helfer auf den folgenden Reliefs überhaupt bei der Arbeit zu sehen sind.

2. Sechs Reliefs zeigen die Heinzelmännchen bei der Arbeit

Die sechs Bildreliefs führen durch verschiedene Werkstätten und Berufe:

  • Zimmerleute: Die Heinzelmännchen arbeiten mit Meißel, Beil und Säge und setzen die Balken eines Hauses. Diese Arbeit verteilt sich auf zwei Reliefs.
  • Bäcker: Die kleinen Helfer tragen schwere Säcke, kneten und wiegen den Teig und schieben das Brot in den Ofen.
  • Fleischer: Während Geselle und Bursche schlafen, verarbeiten die Heinzelmännchen ein Schwein und stellen Würste her.
  • Küfer: Die Heinzelmännchen kümmern sich um Fässer und bereiten Wein auf. Obwohl heute direkt gegenüber Früh am Dom liegt, wird auf diesem Relief kein Bier gebraut.
  • Schneider: Die Heinzelmännchen schneiden, nähen und sticken einen Staatsrock für den Kölner Bürgermeister.

Dass die Zimmermannsarbeit zwei Bildfelder erhält, erklärt eine kleine Unstimmigkeit, die beim Zählen auffällt: Der Brunnen besitzt sechs Arbeitsreliefs, zeigt aber nur fünf verschiedene Arbeitsbereiche.

3. In der Mitte endet die bequeme Zeit

Die zentrale Figurengruppe zeigt den entscheidenden Moment der Ballade. Oben steht die Schneidersfrau mit ihrer Laterne. Rund um die Treppe lassen sich sieben gestürzte Heinzelmännchen erkennen. Einige liegen bereits am Boden, andere versuchen noch, sich nach dem Sturz zu orientieren.

Direkt unterhalb der Schneidersfrau befindet sich das Schriftband:

„Neugierig war des Schneiders Weib“

Die Mitte des Brunnens ist damit nicht bloß die auffälligste Figurengruppe. Sie zeigt den Augenblick, in dem die Heinzelmännchen entdeckt werden und die bequeme Zeit für die Kölner endet.

4. Das rechte Textrelief verrät den Ausgang

Auf dem rechten Textrelief steht ein gekürzter Ausschnitt aus der letzten Strophe. Die Heinzelmännchen sind verschwunden und die Kölner müssen ihre Arbeit wieder selbst erledigen.

Der Schluss bringt die Folgen der Neugier ziemlich deutlich auf den Punkt:

„Man muß nun alles selber thun!“

Die vollständige Ballade steht also nicht auf dem Brunnen. Insgesamt gibt es acht Reliefplatten: sechs Bildreliefs und zwei Textreliefs. Dazu kommen die zentrale Figurengruppe und das Schriftband unter der Schneidersfrau.

Wann wurde der Heinzelmännchenbrunnen gebaut und wer hat ihn geschaffen?

Der Heinzelmännchenbrunnen entstand zwischen 1897 und 1900. Geschaffen wurde er gemeinsam vom Kölner Bildhauer Edmund Renard und seinem Sohn Heinrich Renard, der als Architekt an dem Entwurf beteiligt war. Ihr Vorschlag gewann 1897 einen Wettbewerb des Cölner Verschönerungsvereins. Fertiggestellt wurde der Brunnen im Frühjahr 1900.

Je nachdem, wo man nachliest, begegnen einem allerdings auch die Jahreszahlen 1898 oder 1899. Wir haben die verschiedenen Angaben deshalb einmal chronologisch geordnet:

  1. 1897: Der Cölner Verschönerungsverein schreibt den Wettbewerb unter Kölner Künstlern aus. Am 18. September erhalten Edmund und Heinrich Renard den ersten Preis.
  2. 1898: Der preisgekrönte Entwurf wird in Greven’s Adreßbuch veröffentlicht. Am 16. November beauftragt der Verschönerungsverein die Renards mit der Ausführung.
  3. 1899: Am 26. Mai jährt sich der Geburtstag August Kopischs zum 100. Mal. Im November beginnen die Vorbereitungen am Standort. Diese Jahreszahl steht außerdem in der Erbauerinschrift am Brunnen.
  4. 1900: Im Frühjahr berichten zeitgenössische Zeitungen über den neu errichteten Heinzelmännchenbrunnen.

Die verschiedenen Jahreszahlen beziehen sich damit auf unterschiedliche Schritte von der Wettbewerbsidee bis zur fertigen Anlage. Der Cölner Verschönerungsverein ließ den Brunnen anlässlich des 100. Geburtstags von August Kopisch errichten, dessen Ballade die Heinzelmännchen weit über Köln hinaus bekannt gemacht hatte.

Wer am rechten Ende der Anlage genau hinschaut, findet dort die Inschrift:

„Erbauer E. und H. Renard 1899“

Die Inschrift nennt die beiden Urheber und das Jahr 1899. Sie beweist jedoch nicht, dass der Brunnen zu diesem Zeitpunkt bereits vollständig fertiggestellt war. Die zeitgenössischen Pressemeldungen sprechen für eine Fertigstellung im Frühjahr 1900.

Edmund und Heinrich Renard waren ansonsten vor allem im Bereich religiöser Kunst und kirchlicher Architektur tätig. Der weltliche und humorvolle Heinzelmännchenbrunnen war deshalb ein ungewöhnliches gemeinsames Projekt für Vater und Sohn.

Ist der Heinzelmännchenbrunnen noch original?

Der heutige Heinzelmännchenbrunnen besteht aus originalen Bauteilen, restaurierten Steinen und später angefertigten Kopien. Aus der Entstehungszeit stammen vor allem Teile der Treppenanlage und der Rückwände sowie das inzwischen schwer lesbare Schriftband „Neugierig war des Schneiders Weib“. Die Schneidersfrau und die sechs Bildreliefs sind dagegen heute als Kopien zu sehen.

Besonders eindrucksvoll ist die Geschichte der Schneidersfrau. Das rund 630 Kilogramm schwere Original wurde 1994 vom Brunnen genommen und gehört heute zum Bestand des Kölnischen Stadtmuseums. Auch die stark verwitterten Originalreliefs wurden später abgebaut und dem Museum übergeben.

Dass so viele Teile ersetzt werden mussten, lag nicht nur am Kölner Wetter. Ein Instandsetzungsversuch von 1992 bis 1994 ging offenbar nach hinten los. Die Reliefs aus Heilbronner Sandstein erhielten damals eine wasserabweisende Schutzbehandlung, für die das Material nicht geeignet war. Anschließend setzte eine ungewöhnlich starke Verwitterung ein. Die gut gemeinte Behandlung verschärfte das Problem offenbar, statt es zu lösen.

Die dringend notwendige Restaurierung von 2017 und 2018 finanzierte schließlich die Cölner Hofbräu FRÜH. Dabei halfen sogar die Besucher des Weihnachtsmarktes mit. Der gesamte Verkaufserlös aus FRÜHs Heinzelzauberbuden im Winter 2017/2018 floss nach Angaben der Brauerei in die Sanierung. Wer dort bei Kölsch oder Glühwein anstieß, betrieb also ganz nebenbei flüssigen Denkmalschutz.

Bei den Arbeiten wurden die sechs Bildreliefs durch wetterfestere Kopien ersetzt. Weitere Figuren und Steine wurden gereinigt, gefestigt und ergänzt. Der Heinzelmännchenbrunnen ist deshalb kein nachgebautes Denkmal, sondern ein historisches Original mit sichtbaren und unsichtbaren Ersatzteilen. Gerade diese Mischung erzählt inzwischen nicht nur die Geschichte der Heinzelmännchen, sondern auch davon, wie schwierig es ist, ein solches Stück Köln dauerhaft zu bewahren.

Was wissen viele über den Heinzelmännchenbrunnen nicht?

Die Schneidersfrau und ihre Erbsen kennen die meisten Besucher. Leicht übersehen werden dagegen die Eule auf der Rückseite, der praktische Grund für die ungewöhnliche Form und ein Relief, auf dem trotz der Nähe zu Früh kein Bier vorkommt. Im Jahr 2020 sorgte außerdem blutrotes Wasser für einen ziemlich ungewöhnlichen Anblick.

Warum sitzt auf der Rückseite eine Eule mit einer Lupe?

Auf der Rückseite des Heinzelmännchenbrunnens sitzt eine Eule vor einem aufgeschlagenen Buch und hält eine Lupe in ihren Krallen. Die Figurengruppe gilt als Symbol für Wissen, Weisheit und genaues Hinschauen. Eine schriftlich überlieferte Erklärung der Erbauer konnten wir dafür allerdings bislang nicht finden.

Zum Brunnen passt die Eule trotzdem ziemlich gut. Wer nur die Schneidersfrau fotografiert und weitergeht, übersieht schließlich einen großen Teil der Geschichte. Der Brunnen belohnt Besucher, die etwas genauer hinschauen.

War der Heinzelmännchenbrunnen schon vor Früh am Dom da?

Der Heinzelmännchenbrunnen stand bereits im Frühjahr 1900. Früh am Dom eröffnete an diesem Standort erst 1904. Wo sich heute das bekannte Brauhaus befindet, gab es zuvor unter anderem das Central-Theater.

Auch die ungewöhnlich breite Form des Brunnens hatte einen praktischen Grund. Die Anlage sollte eine damals als unschön empfundene Erhebung der Straße verdecken. Vor dem Bau wurden am Standort außerdem eine alte Pumpe entfernt und ein mehr als 50 Fuß tiefer Brunnen verfüllt. Der Heinzelmännchenbrunnen war damit nicht nur ein Denkmal, sondern zugleich eine ziemlich aufwendige Lösung für ein städtebauliches Problem.

Hat eines der Reliefs etwas mit Bier zu tun?

Unser Lieblingsrelief am Heinzelmännchenbrunnen zeigt ausgerechnet keinen Bierbrauer. Zu sehen ist ein Küfer, der eingeschlafen ist, während sich die Heinzelmännchen um seine Fässer und den darin gelagerten Wein kümmern. Kölsch wird an keiner Stelle des Brunnens gebraut.

Auf unseren Brauhaustouren durch die Kölner Altstadt dürfen wir das Relief natürlich trotzdem besonders gerne mögen. Ein schlafender Handwerker, fleißige Heinzelmännchen und jede Menge Fässer ergeben schließlich auch ohne Kölsch eine ziemlich gute Kölner Geschichte.

Warum floss plötzlich rotes Wasser durch den Brunnen?

Rot gehört zwar zu den Kölner Stadtfarben. Als im Juli 2020 blutrotes Wasser durch den Heinzelmännchenbrunnen floss, handelte es sich trotzdem nicht um eine städtische Verschönerungsaktion. Aktivisten hatten das Wasser im Rahmen eines Protestes gegen Massentierhaltung eingefärbt.

Der Heinzelmännchenbrunnen war dabei nur einer von insgesamt zwölf betroffenen Kölner Brunnen. Die Polizei ermittelte wegen Sachbeschädigung, die Stadt ließ Wasserproben untersuchen. Vermutet wurden Lebensmittelfarbe oder Rote-Beete-Saft. Abschließend geklärt war die verwendete Substanz zunächst nicht.

Die rote Farbe verschwand wieder. Für kurze Zeit sah es allerdings so aus, als hätten die Heinzelmännchen neben Erbsen noch ein deutlich größeres Problem bekommen.

Wann besucht man den Heinzelmännchenbrunnen am besten?

Am besten besucht man den Heinzelmännchenbrunnen bei Tageslicht. Dann lassen sich die sechs Bildreliefs, die Inschriften und die Eule auf der Rückseite am besten erkennen. Auch die bepflanzten Beete kommen tagsüber schöner zur Geltung. Für einen genauen Rundgang sollte man ungefähr zehn bis fünfzehn Minuten einplanen.

Ein Besuch lohnt sich aber auch am Abend. Nach Einbruch der Dunkelheit wird der Brunnen angestrahlt, sodass die Schneidersfrau und die stürzenden Heinzelmännchen weiterhin gut zu erkennen sind. Das passt sogar ziemlich gut zur Sage, denn die Heinzelmännchen gingen schließlich selbst erst an die Arbeit, wenn Köln längst schlief. Für die kleineren Details bleibt Tageslicht trotzdem die bessere Wahl.

Besonders schön lässt sich der Heinzelmännchenbrunnen im Winter in einen Rundgang durch die Kölner Weihnachtsmärkte einbauen. Vom Weihnachtsmarkt am Dom erreicht man ihn in wenigen Minuten. Anschließend besucht man Heinzels Wintermärchen, den Weihnachtsmarkt auf dem Alter Markt und dem Heumarkt. Dort tauchen die kleinen Kölner Helfer nicht nur im Namen auf, sondern prägen auch die Gestaltung des Weihnachtsmarktes.

Natürlich kann man den Heinzelmännchenbrunnen auf eigene Faust besuchen. Noch mehr Spaß macht die Geschichte aber, wenn jemand erklärt, worauf man achten sollte und was sich hinter den Figuren verbirgt. Auf unseren Brauhaustouren durch die Kölner Altstadt kommen wir häufig am Brunnen vorbei. Dabei bleibt es nicht bei der Geschichte der Heinzelmännchen. Unterwegs geht es auch um Kölsch, Brauhäuser, liebenswerte Kölner Originale und einige Geschichten, die man nach dem zweiten Kölsch erstaunlicherweise oft noch besser versteht.

Bereit wenn du es bist!

Wir freuen uns darauf, mit euch historische Brauhäuser, kölsche Geschichten und frisch gezapftes Kölsch zu erleben.

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