Heinzelmännchen von Köln: Die Sage kennt ihr. Diese Details nicht.

Was sind die Heinzelmännchen von Köln?
Die Heinzelmännchen von Köln sind kleine Hausgeister aus einer Kölner Sage. Sie helfen nachts heimlich bei Handwerksarbeiten und im Haushalt, während die Menschen schlafen.
Das klingt nach Helfern, die man gerne behalten hätte. Unseren Job als Guides für Brauhaustouren beim Kölner Kompass würden wir ihnen allerdings ungern überlassen. Dafür zeigen wir euch Köln und seine Brauhäuser viel zu gerne. Höchstens teilen würden wir die Arbeit mit ihnen. Wer so lange heimlich in Köln unterwegs war, hat bestimmt ein paar gute Geschichten zu erzählen.

Was erzählt die Sage von den Heinzelmännchen von Köln?
Die Kölner Heinzelmännchen-Sage erzählt, wie die Menschen ihre heimlichen Helfer durch die Neugier einer Schneidersfrau verlieren. In August Kopischs Gedichtfassung streut die Frau Erbsen aus, um die Heinzelmännchen aufzuspüren. Die kleinen Wesen rutschen aus und stürzen. Als sie mit einem Licht herbeieilt, verschwinden sie für immer. Die Kölner müssen fortan selbst arbeiten.
Kopisch schildert anschaulich, was ihnen damit verloren geht: Die Zimmerleute konnten sich ausruhen, während die Heinzelmännchen ein ganzes Haus fertigstellten. Beim Bäcker lag morgens frisches Brot bereit, beim Fleischer hing die Wurst. Einem Schneider nähten die Helfer sogar den Staatsrock des Bürgermeisters.
Die Neugier der Schneidersfrau ist nachvollziehbar. Wer morgens die fertige Arbeit vorfindet, möchte irgendwann wissen, wem er das zu verdanken hat. Eine Treppe voller Erbsen ist allerdings eine ziemlich rabiate Art, seine Helfer kennenzulernen. Ob ihr Mann danach besonders gut auf sie zu sprechen war, verrät das Gedicht nicht.
Wer hat die Heinzelmännchen erfunden?
Ein einzelner Erfinder der Kölner Heinzelmännchen lässt sich nicht sicher benennen. Ernst Weyden veröffentlichte die Sage bereits 1826 in seiner Sammlung „Cöln’s Vorzeit“. August Kopisch machte sie mit seinem Gedicht von 1836 weithin bekannt. Er hat eine bereits vorhandene Geschichte literarisch verarbeitet.
Weyden kennzeichnete seine Erzählung als mündlich überliefert. Wie lange sie zuvor schon erzählt wurde, lässt sich daraus nicht ablesen. Seine Heinzelmännchen unterscheiden sich allerdings in einigen bemerkenswerten Details von den Figuren, die viele heute vor Augen haben.
Bei Weyden treten die Heinzelmännchen als kleine nackte Männer auf. Von der vertrauten Zipfelmütze ist in dieser Beschreibung keine Rede. Außerdem nehmen sie es mit fremdem Eigentum nicht besonders genau: Zur Hochzeit ihres Lieblings, eines Schneiders, bringen sie herrliche Speisen und schönes Hausgerät in seine Wohnung. Weyden erklärt ausdrücklich, dass sie die Geschenke anderswo gestohlen haben.
Großzügig sind die kleinen Helfer also durchaus. Nur bezahlen gewissermaßen andere Leute die Hochzeitsgeschenke. Hilfsbereit und ein bisschen unverschämt schließen sich bei Weydens Heinzelmännchen offenbar nicht aus.
Auch ihr Abschied fällt anders aus. Nach dem gescheiterten Versuch der Schneidersfrau, sie mit einer Erbsenfalle zu entdecken, verlassen die Heinzelmännchen Köln unsichtbar unter Musik und fahren mit einem Schiff davon. Wohin, weiß niemand.
Beide Episoden fehlen in Kopischs Gedicht.
Woher kommt der Name Heinzelmännchen?
Der Name „Heinzelmännchen“ geht laut Duden auf „Heinzel“ zurück, eine Koseform des Vornamens Heinz. Nach dem Volksglauben sollten solche vertraulichen Namen Hausgeister freundlich stimmen. Schon bei der Anrede wollte man sich offenbar gut mit den kleinen Helfern stellen.
Eine überraschende Verwendung des Namens findet sich in einem historischen Wörterbuch: Als „Heinzelmännchen“ wurden mancherorts auch Alraunenwurzeln bezeichnet, die man für hilfreiche Hausgeister hielt. Ihre verzweigte Form konnte an einen kleinen Menschen erinnern. Man kleidete die Wurzeln sogar an und verkaufte sie als vermeintlich wirksame Hausgeister. Das belegt eine weitere Verwendung des Namens, aber nicht, dass die Kölner Sage aus diesem Wurzelglauben entstanden ist.
Eine weitere mögliche Erklärung führt in den Bergbau: Eine „Heinzenkunst“ war eine Vorrichtung, mit der Wasser aus einem Bergwerk gehoben wurde. Daran knüpft die Vermutung an, dass ihre Bediener „Heinzelmänner“ genannt worden sein könnten. Der technische Begriff ist historisch belegt, die Verbindung zum Namen der Kölner Heinzelmännchen bleibt jedoch unsicher.
Was ist die Moral der Heinzelmännchen-Sage?
Die Heinzelmännchen-Sage lässt sich als Warnung vor rücksichtsloser Neugier und allzu großer Bequemlichkeit lesen. Kopisch betont am Ende seines Gedichts, dass nun jeder selbst fleißig sein muss. Wie selbstverständlich die Menschen zuvor fremde Hilfe angenommen haben, schildert er mit Humor.
Dabei nimmt Kopisch auch die gemütlichen Kölner im Gedicht aufs Korn, die ihre Arbeit bereitwillig den kleinen Helfern überlassen. Wer nur auf die neugierige Schneidersfrau schaut, verpasst diesen Spott. Ganz frei von solchen Wünschen sind wir allerdings auch nicht: Wenn uns die Heinzelmännchen die Büroarbeit abnehmen würden, hätten wir sicher nichts dagegen.
Und die Erbsen? Die dürfen selbstverständlich weiter auf den Teller. Für ihren Einsatz auf der Treppe konnten sie schließlich nichts.
Wo findet man die Heinzelmännchen heute in Köln?
Den Heinzelmännchen begegnet ihr heute am Heinzelmännchenbrunnen nahe dem Dom und als Figuren des Heinzwegs an verschiedenen Orten in der Stadt. In der Weihnachtszeit widmet ihnen außerdem „Heinzels Wintermärchen“ auf dem Alter Markt und dem Heumarkt einen ganzen Weihnachtsmarkt.
Der Brunnen liegt in der Straße Am Hof direkt beim Brauhaus Früh. Nehmt euch einen Moment für die Figuren und Reliefs: Hier bekommt die Geschichte Gesichter. Worauf ihr dabei achten könnt, erklären wir euch in unserem Artikel über den Heinzelmännchenbrunnen in Köln.
Auch auf unseren Brauhaustouren zeigen wir euch weitere Heinzelmännchen, etwa am Peters Brauhaus und an der Keule. Die Figuren gehören zum Heinzweg, der die kleinen Helfer im heutigen Köln wieder auftauchen lässt.
Kommen die Heinzelmännchen wieder?
In August Kopischs Gedicht kommen die Heinzelmännchen nicht zurück. Der letzte Vers lässt wenig Hoffnung: „Doch kommt die schöne Zeit nicht wieder her!“ Eine Versöhnung oder eine Bedingung für ihre Rückkehr sieht diese Fassung nicht vor.
Als Figuren haben die kleinen Helfer längst wieder ihren Platz in Köln gefunden. Auf die nächtliche Unterstützung müssen wir allerdings weiterhin verzichten. Falls morgens trotzdem die ganze Arbeit erledigt ist, bedanken wir uns vorsichtshalber und stellen keine weiteren Fragen.
Was haben die Heinzelmännchen mit den Mainzelmännchen zu tun?
Der Name „Mainzelmännchen“ ist ein Wortspiel aus Mainz, dem Sitz des ZDF, und den Heinzelmännchen. Die Kölner Sagenfiguren standen bei der Namensgebung Pate. Die Mainzelmännchen sind jedoch eigenständige Fernsehfiguren, die seit 1963 im ZDF zu sehen sind.
Die sechs Mainzelmännchen heißen Anton, Berti, Conni, Det, Edi und Fritzchen. Die Kölner Heinzelmännchen bekommen dagegen in den Fassungen von Weyden und Kopisch keine individuellen Namen. Sie treten als Gemeinschaft auf. Auch beim Umgang mit Aufmerksamkeit unterscheiden sich die beiden Gruppen: Während die Kölner Helfer heimlich arbeiten, leben ihre Fernsehverwandten als Werbetrenner gerade davon, dass man ihnen zuschaut. Mit einer Laterne lassen sich diese kleinen Herren jedenfalls nicht so leicht vertreiben.
Bereit wenn du es bist!
Wir freuen uns darauf, mit euch historische Brauhäuser, kölsche Geschichten und frisch gezapftes Kölsch zu erleben.

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